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Verlorene Siege PDF

674 Pages·1955·5.908 MB·German
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ERICH v. MANSTEIN GENERALFELD MARSCHALL VERLORENE SIEGE 1955 ATHENÄUM-VERLAG • BONN Umschlag und Einband: Oul Esté Karten: Dipl.-Ing. Werner Materne, Lüneburg Copyright 1955 by Athenäum-Verlag Junker und Dünnhaupt KG, Bonn • Alle Rechte vorbehalten • Printed in Germany Gesamtherstellung: Main-Echo Kirsch & Co., Aschaffenburg Eingescannt mit OCR-Software ABBYY Fine Reader DEM ANDENKEN UNSERES GEFALLENEN SOHNES GERO v. MANSTEIN UND ALLER FÜR DEUTSCHLAND GEFALLENEN KAMERADEN VORWORT Dieses Buch ist die Aufzeichnung eines Soldaten. Bewusst habe ich darauf verzichtet, politische Probleme oder nicht mit den militärischen Ereignissen in unmittelbarem Zusammenhänge Stehendes zu erörtern. Man mag an das Wort des britischen Militärschriftstellers, Liddell Hart, denken: «Die deutschen Generale dieses Krieges waren das mehr als irgend- wo sonst gelungene Erzeugnis ihres Berufs. Sie hätten noch besser sein können, wenn sie einen weiteren Horizont und ein tieferes Verständnis gehabt hätten. Aber wenn sie Philosophen geworden wären, hätten sie auch aufgehört, Soldaten zu sein.» Ich habe mich bemüht, Selbst-Erlebtes, Selbst-Gedachtes und Selbst- Beschlossenes nicht aus nachträglicher Schau, sondern so darzustellen, wie ich es zu jener Zeit gesehen habe. Nicht der forschende Historiker, sondern der handelnde Mensch kommt zu Wort. Wenn ich mich auch bemüht habe, die Ereignisse, die Menschen und ihre Entschlüsse objektiv zu sehen, so wird doch das Urteil eines Mit-Handelnden immer subjektiv bleiben. Trotzdem hoffe ich, dass meine Niederschrift auch für den Historiker nicht ohne Wert sein wird. Auch er wird die Wahrheit aus Akten und Dokumenten allein nicht erkennen können. Das Wesentliche, nämlich, wie die handelnden Persönlichkeiten gedacht und geurteilt haben, steht selten, und sicher nicht vollständig, in Akten oder in Kriegs- tagebüchern. Bei der Darstellung des Entstehens des Planes für die deutsche West- offensive 1940 bin ich von der Richtschnur des Generaloberst v. Seeckt abgewichen: «Generalstabsoffiziere haben keinen Namen.» Ich habe geglaubt, dies tun zu dürfen, nachdem diese Frage – ohne mein Zutun – bereits seit langem erörtert worden ist. Es sind mein damaliger Ober- befehlshaber, Generalfeldmarschall v. Rundstedt, selbst und unser I a, General Blumentritt, gewesen, die über die Geschichte dieses Planes Liddell Hart berichtet haben. (Ich selbst habe Liddell Hart leider nicht kennengelernt.) Wenn ich in die Schilderung der militärischen Probleme und Ereignisse auch Persönliches eingeflochten habe, so deshalb, weil das Menschliche auch im Kriege seinen Platz hat. Dass solche persönlichen Erinnerungen in den letzten Teilen dieses Buches fehlen, hat seinen Grund darin, dass in jener Zeitspanne die Sorge und die Last der Verantwortung alles über- schattet haben. Meine Tätigkeit im Zweiten Weltkriege hat es mit sich gebracht, dass die Ereignisse im Wesentlichen vom Standpunkt der höheren Führung aus behandelt werden. Allein ich hoffe, dass diese Schilderung überall erkennen lassen wird, dass das Entscheidende die Hingabe, die Tapfer- keit, die Treue, die Pflichterfüllung des deutschen Soldaten und die Ver- antwortungsfreudigkeit wie das Können der Führer aller Grade gewesen ist. Sie waren es, durch die unsere Siege errungen worden sind. Sie allein ermöglichten es, der erdrückenden Überlegenheit unserer Gegner die Stirne zu bieten. Zugleich möchte ich mit diesem Buche meinen Dank abstatten: meinem Oberbefehlshaber im ersten Stadium des Krieges, Generalfeldmarschall v. Rundstedt, für sein mir stets bewiesenes Vertrauen, den Führern und Soldaten aller Dienstgrade, die unter meinem Befehl gestanden haben, meinen Gehilfen, insbesondere meinen Generalstabschefs undGeneral- Stabsoffizieren, die mir Stütze und Berater gewesen sind. Abschliessend habe ich aber auch denen zu danken, die mir bei der Abfassung dieser Erinnerungen behilflich gewesen sind: meinem ehe- maligen Generalstabschef, General Busse, und unseren Generalstabs- Offizieren v. Blumröder, Eismann und Annus, ferner Herrn Gerhard Günther, dessen Rat den Anstoss zur Niederschrift meiner Erinnerungen gegeben, Herrn Fred Hildenbrandt, der mir bei ihrer Abfassung wert- volle Hilfe geleistet, und Herrn Dipl.-Ing. Materne, der die Skizzen mit grossem Verständnis bearbeitet hat. INHALT I. Der Feldzug in Polen 1. Vor dem Sturm ......................................................... 11 2. Die operative Lage .................................................... 24 3. Die Operationen der Heeresgruppe Süd ... 35 II. Der Westfeldzug 1940 (Seite 61) 4. Die Entmachtung des OKH ...................................... 67 5. Der Kampf um den Operationsplan .... 91 6. Kommandierender General des 38. Armee-Korps 125 7. Zwischen zwei Feldzügen ....................................... 147 III. Im Kampf gegen die Sowjetunion 8. «Ein Panzer-Raid» .................................................. 172 9. Der Krim-Feldzug ................................................... 206 10. Leningrad–Witebsk ............................................... 290 11. Hitler in der Ausübung des militärischen Ober- befehls .................................................................. 303 12. Die Tragödie von Stalingrad ................................. 319 13. Der Winterfeldzug 1942/43 in Südrussland . . 397 14. «Zitadelle»............................................................. 473 15. Der Abwehrkampf 1943/44 ................................ 507 Anlagen (Dokumente) ....................................................620 Militärischer Werdegang in Stichworten .... 658 Kartenverzeichnis...........................................................660 Abkürzungsverzeichnis, Erläuterungen . . . 661 Namenregister ...................................................... 663 I. DER FELDZUG IN POLEN 1. Kapitel VOR DEM STURM Fern der Zentrale. Hitler ordnet die Bearbeitung eines Angriffs-Aufmarsches gegen Polen an. Der Arbeitsstab der H.Gr. Süd, Generaloberst v. Rundstedt. Der Generalstab und die polnische Frage. Polen als Puffer zwischen dem Reich und der Sowjetunion. Krieg oder Bluff? Hitlers Ansprache an die militärischen Führer auf dem Obersalzberg. Der Pakt mit der Sowjetunion. Trotz Hitlers «unwiderruflichem» Entschluss bleiben Zweifel, ob er es zum Kriege kommen lassen wird. Der erste Angriffsbefehl wird widerrufen! Zweifel bis zuletzt. Die Würfel fallen! Die Entwicklung der politischen Lage nach dem Anschluss Deutsch- Österreichs an das Reich erlebte ich fern der militärischen Zentrale. Anfangs Februar 1938 hatte meine Generalstabs-Laufbahn, die mich bis an die zweite Stelle im Generalstab auf den Posten des Oberquartier- meisters I, des Vertreters des Generalstabschefs, geführt hatte, ein jähes Ende genommen. Als Generaloberst Frhr. v. Fritsch durch eine diabolische Intrige der Partei als Oberbefehlshaber des Heeres beseitigt wurde, war zugleich eine Reihe seiner engsten Mitarbeiter, darunter auch ich, aus dem Oberkommando des Heeres entfernt worden. Als nunmehriger Komman- deur der 18. Division in Liegnitz war ich naturgemäss nicht weiter mit Fragen befasst worden, die in die Zuständigkeit der militärischen Zen- trale gehörten. Seit Anfang April 1938 hatte ich mich vielmehr allein meiner Aufgabe als Divisionskommandeur widmen können. Einer Aufgabe, die gerade in jenen Jahren besonders befriedigend war, aber auch die volle Arbeits- 11 kraft beanspruchte. War doch die Vermehrung des Heeres noch keines- wegs abgeschlossen. Fortlaufende Neuaufstellungen erforderten viel- mehr immer erneute Umbildungen auch der bereits bestehenden Truppenteile. Das Tempo der Aufrüstung, die mit ihm verbundene Auf- blähung namentlich des Offizier- und Unteroffizierkorps stellte an die Führer aller Grade höchste Anforderungen, wenn das Ziel, innerlich gefestigte und auf hoher Ausbildungsstufe stehende und damit die Sicherheit des Reiches gewährleistende Truppen zu schaffen, erreicht werden sollte. Um so befriedigender war aber auch der Erfolg dieser Arbeit. Insbesondere für mich, der ich nach jahrelanger Tätigkeit in Berlin nun wieder die Freude hatte, in unmittelbarer Verbindung mit der Truppe zu stehen. Mit grosser Dankbarkeit gedenke ich daher jener letzten einundeinhalb Friedensjahre und insbesondere der Schlesier, aus denen sich fast durchweg die 18. Division zusammensetzte. Schlesien hat von jeher gute Soldaten hervorgebracht und so war die militärische Er- Ziehung und Ausbildung der neuen Truppenteile eine dankbare Aufgabe. Das kurze Zwischenspiel des «Blumenkrieges», d.h. der Besetzung des an das Reich gefallenen Sudetenlandes, hatte mich zwar in der Stellung des Generalstabschefs der von Generaloberst Ritter v. Leeb befehligten Armee gesehen. Als solcher hatte ich auch Kenntnis von dem Konflikt erhalten, der zwischen dem Chef des Gen. Stabs d.H., General Beck, und Hitler über der tschechischen Frage ausgebrochen war und der zu meinem schmerzlichsten Bedauern mit dem Rücktritt des von mir hochverehrten Generalstabschefs geendet hatte. Mit diesem Rücktritt war aber auch der Faden abgerissen, der mich durch das Vertrauen Becks noch mit der Zentrale verbunden hatte. So erfuhr ich erst im Sommer 1939 von der «Aufmarschanweisung Weiss», der erstmaligen, auf Befehl Hitlers erfolgten Bearbeitung eines Angriffs-Aufmarschs gegen Polen. Bis zum Frühjahr 1939 hatte es einen solchen nicht gegeben. Vielmehr waren alle militärischen Vorbereitungen an unserer Ostgrenze auf die Verteidigung bzw. Sicherung im Fall eines Konflikts mit anderen Mächten abgestellt gewesen. Für den Fall «Weiss» war ich als Generalstabschef der Heeresgruppe Süd vorgesehen, zu deren Oberbefehlshaber der bereits im Ruhestand lebende Generaloberst v. Rundstedt bestimmt war. Der Aufmarsch dieser Heeresgruppe war in Schlesien, im östlichen Mähren und mit Teilen in der Slowakei geplant und sollte nunmehr im Einzelnen bearbeitet werden. Da das Kommando der Heeresgruppe im Frieden noch nicht bestand, sondern erst im Mobilmachungsfall aufgestellt werden sollte, wurde für die Bearbeitung der neuen Aufmarschanweisung ein kleiner Arbeitsstab gebildet. Er trat am 12. August 1939 auf dem schlesischen Truppen- 12 übungsplatz Neuhammer zusammen. Den Arbeitsstab leitete Oberst i. G. Blumentritt. Er war für den Fall der Mobilmachung als la der Heeres- gruppe vorgesehen. Ich betrachtete das als einen Glücksfall, denn mich verband mit diesem aussergewöhnlich tüchtigen Mann ein enges Ver- trauensverhältnis. Es hatte sich während unserer Zusammenarbeit beim Armeeoberkommando v. Leeb in der Sudetenkrise gebildet und es schien mir besonders wertvoll, in diesen Zeiten einen Mitarbeiter zu haben, dem ich vertrauen konnte. Wie bisweilen Kleinigkeiten im Wesen eines Menschen ihn uns liebenswert machen, so erheiterte mich an Oberst Blumentritt sein unschlagbarer Fanatismus im Telefonieren. Er arbeitete ohnehin mit einer unglaublichen Schnelligkeit, aber mit dem Telefon- hörer in der Hand erledigte er Lawinen von Einzelfragen mit stets gleich- bleibender Frische und Liebenswürdigkeit. Mitte August traf in Neuhammer der künftige Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd ein, Generaloberst v. Rundstedt. Jeder von uns kannte ihn. Er war ein operativ glänzend begabter Soldat. Er erfasste alles Wesentliche sofort und gab sich auch ausschliesslich mit dem Wesentlichen ab. Alles Drum und Dran war ihm völlig gleichgültig. Persönlich war er das, was man einen Kavalier der alten Schule zu nennen pflegt. Ein Stil, der leider im Aussterben begriffen ist und der einst das Leben um eine liebenswürdige Variante bereicherte. Der Generaloberst hatte Charme. Diesem Charme erlag sogar Hitler. Zu dem Generalobersten hatte er eine anscheinend echte Zuneigung gefasst und überraschenderweise blieb ein Schimmer dieser Zuneigung auch dann noch erhalten, als er ihn zweimal weggeschickt hatte. Wahrscheinlich reagierte Hitler bei Rundstedt noch auf den unwägbaren Eindruck eines Mannes aus verflossenen, ihm nicht verständlichen Zeiten, zu deren innerer und äusserer Atmosphäre er nie- mals Zugang hatte. Übrigens befand sich, als der Arbeitsstab in Neuhammer zusammen trat, auch meine 18. Division zu den alljährlichen Regiments- und Divi- sionsübungen auf dem Übungsplatz. Dass jeder von uns sich Gedanken darüber machte, welche Fülle von Ereignissen das Vaterland seit 1933 erlebt hatte, und sich fragte, wohin das alles führen würde, brauche ich nicht zu sagen. Jetzt gehörten unsere Gedanken und viele Gespräche mit den Vertrauten dem rings am ge- samten Horizont aufflackemden Wetterleuchten. Dass Hitler unbeugsam und fanatisch entschlossen war, nunmehr den letzten Rest der territoria- len Probleme, die durch den Vertrag von Versailles für Deutschland ent- standen waren, zu lösen, war uns klar. Wir wussten, dass er schon im Herbst 1938 mit Polen Verhandlungen eingeleitet hatte, um die polnisch- deutsche Grenzfrage aus der Welt zu schaffen. Wie und ob diese Ver- 13

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