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Peter Weiss Jahrbuch 6 PDF

175 Pages·1997·6.106 MB·German
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Martin Rector· Jochen Vogt (Hrsg.) Peter Weiss Jahrbuch 6 Martin Rector· Jochen Vogt (Hrsg.) unter Mitwirkung von Irene Heidelberger-Leonard, Christa Grimm und Alexander Stephan Peter Weiss Jahrbuch 6 Westdeutscher Verlag J Peter Weiss ahrbuch In Verbindung mit der internationalen Peter-Weiss-Gesellschaft und unter Mitwirkung von Irene Heidelberger-Leonard, Christa Grimm und Alexander Stephan herausgegeben von Martin Rector undJochen Vogt.-Redaktionsanschrift: Prof. Dr. Martin Rector, Un i versitat Hannover, Seminar fiir deutsche Literatur und Sprache, Konigsworther Platz 1, 0-30167 Hannover. - Das Peter Weiss Jahrbuch erscheint ;ahrlich. Beitrage sind will kommen. Urn vorherige Anforderung eines Merkblatts zur Manuskripteinrichtung wird gebeten. Mitglieder der lnternationalen Peter-Weiss-Gesellschaft erhalten auf das Peter Weiss Jahrbuch 6 20 OJ,, Rabatt. Members of the lnternationale Peter-Weiss-Gesellschaft are entitled to a 20 % price reduction on the Peter Weiss Jahrbuch 6. Aile Rechte vorbehalten © Wcstdcutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden, 1997 Ocr Westdeutsche Verlag ist ein Unternehmen der Bertelsmann Fachinformation GmbH. Das Werk einschlieBlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich ge schutzt. Jede Verwertung auBerhalb der engen Grenzen des Urhe berrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulassig und strafbar. Das gilt insbesondere fur Vervielfaltigungen, Ubersetzun gen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen System en. http://www.westdeutschervlg.de Hochste inhaltliche und technische Qualitat unserer Produkte ist unser Ziel. Bei der Produktion und Verbreitung unserer Bucher wollen wir die Umwelt schonen: Dieses Buch ist auf saurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt. Die EinschweiB folie besteht aus Polyathylen und damit aus organischen Grundstoffen, die weder bei der Herstellung noch bei der Verbrennung Schadstoffe freisetzen. Umschlagbild: Peter Weiss: Selbstbildnis, al auf Holz (ca. 1946) - Sandro Botticelli: Port rat Dantes (urn 1495) Umschlaggestaltung: Horst Dieter Biirkle, Darmstadt Satz und Gestaltung: Rose Sommer, Universitat GHS Essen ISBN-13: 978-3-531-13134-4 e-ISBN-13: 978-3-322-89029-0 001: 10.1007/978-3-322-89029-0 Inhalt Archiv Alfonso Sastre Ein unvergeBliches Gesprach mit Peter Weiss 7 Dossier Mechthild Muser Heldenkind. Gesprach mit Hans Coppi tiber die "Rote Kapelle" und wie der Mord an seinen Eltem sein Leben bestimmte 23 Analyse Peter Kuon ". .. dieser Portalheilige zur abendlandischen Kunst..." Zur Rezeption der Divina Commedia bei Peter Weiss, Pier Paolo Pasolini und anderen 42 Christine Ivanovic Der Schritt zur Vemunft. Peter Weiss' Dante-Diskurs als Paradigma einer Dichtung nach Auschwitz 68 Michael Hofmann Peter Weiss' Dante-Rezeption und die poetische Erinnerung derShoa 94 Martin Rector Sechs Thesen zur Dante-Rezeption bei Peter Weiss 110 Klaus Muller-Richter Bilderwelten und Wortwelten: Gegensatz oder Komplement? Peter Weiss' Konzept der Bildlichkeit als Modell dynamischer Aisthesis 116 Julia Hell Rosa oder die Sehnsucht nach einer Geschichte ohne Stalin. Zur Logik einer vergeschlechtlichen Textproduktion in der "Asthetik des Widerstands" 138 Kritik Henning Falkenstein: Peter Weiss (Arnd Beise) 164 Friedemann Weidauer: Widerstand und Konformismus (Christo! Hamann) 166 Karl-Heinz G6tze: Poetik des Abgrunds (Anja Schnabel) 168 Roswitha Schieb: Das teilbare Individuum (Rose Sommer) 171 Hinweise 175 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Bandes 176 Alfonso Sastre Ein unvergeBliches Gesprach mit Peter Weiss Wir sind in seiner Wohnung in der Storgatan, der "groBen StraBe" oder "HauptstraBe" (vielleicht war sie das friiher einmal). Peter Weiss macht den Fernsehapparat aus, auf dessen Bildschirm gerade eine ausgezeich nete Strindberg-Auffiihrung1 zu Ende gegangen ist. Er schneidet Brot, bietet Kase an, schenkt Rotwein ein, lachelt. Ich finde, er sieht nicht be sonders gut aus, so als ob er sich von dem Herzzwischenfall im vorigen Jahr noch nicht ganz erholt hatte. Bei uns sind Gunilla Palmstiema -seine Frau, schon eine beriihmte Biihnenbildnerin -und Francisco Uriz, dessen sprachliche Hilfe wamend des Interviews unschatzbar sein wird. (Danke!) Trotzki im Exil, antwortet PETER WEISS auf meine Frage zurn Schicksal dieses seines Stiickes, ist sehr wenig aufgefiihrt worden, vielleicht wegen des Inszenierungsaufwandes, und ohne Frage auch aus politischen Grun den. Die Kritik in Westdeutschland war im allgemeinen nicht gut; man che haben es fur ein schwerfalliges und langweiliges Werk gehalten, das heiBt, daB es sich eher urn einen Diskurs oder eine Vorlesung handelte als urn ein eigentliches Theaterstiick. Zudem wurde es sehr unter politi schen Aspekten diskutiert. SASTRE: 1st es in der DDR aufgefiihrt worden? WEISS: Nein, und auch in keinem anderen sozialistischen Land, was mir absurd erscheint, wenn es nicht nur eine bloBe Unterlassung, son dem eine Haltung -Stillschweigen bewahren -diesem Thema gegenuber ist. SASTRE: Gab es eine Antwort auf deinen Brief an die sowjetische Kritik den Trotzki betreffend? WEISS: Nein, ich habe keine Antwort erhalten. Und ich denke, daB seit diesem Werk fur mich in den sozialistischen Li:i.ndem alles viel schwieri ger ist, was unangebracht ist, wenn man meine Sympathie fur sie beriick sichtigt. 8 Alfonso Sastre SASTRE: Vor kurzem bist du in einem Interview fur Aftonbladet2 ge fragt worden, ob du dich als Trotzkist betrachtest und auch, ob du antiso wjetisch seist. Scheint dir dein Denken in dieser Zeitung richtig wieder gegeben zu sein? WEISS: Ja, voll und ganz. Ich habe gesagt und wiederhole es, daB ich kein Trotzkist bin, aber daB ich als Marxist es als notig empfinde, mich mit allen Fiihrem der Revolution -und Trotzki war einer von ihnen -in tensiv zu befassen, und schlieBlich zu den Wurzeln der Krafte des Sozia lismus zu gelangen, urn die Widerspriiche, die im sozialistischen Lager auftreten, besser zu verstehen. Trotzki forderte den Intemationalismus, wahrend es bei Stalin darum ging, den Sozialismus in einem Land zu er richten: eine Haltung, die sicherlich durch die Existenz des Nationalso zialismus erzwungen war ... Es geht darum, kritisch zu diskutieren, urn zu sehen, was an Wahrheit und was an Versteinerungen in bestimmten Thesen und Interpretationen steckt. Sicher ist, daB der Intemationalismus eine aufkommende Realitat war, die sich nicht vollstandig entwickeln konnte: Da erscheinen der Personlichkeitskult Stalins und die Widerspru che zwischen den kommunistischen Parteien als Konsequenz aus diesem Phanomen. Tatsache ist, daB der Intemationalismus sich in den zwanzi ger und dreilliger Jahren -als proletarische und antifaschistische Solidari tat -im Umfeld eines starken Kapitalismus entwickelte, und daB heutzu tage die intemationalen Verbindungen des Kapitalismus sehr stark sind, wahrend der intemationalistische proletarische ProzeB in einer Krise zu sein scheint. SASTRE: Inwieweit kann man von dir sagen, du seist "antisowjetisch"? WEISS: Man hat mich dessen beschuldigt, aber das ist in keiner Weise richtig. Was ich und andere Marxisten fordem, ist, daB man emsthafte Diskussionen uber sehr wichtige Themen beginnt: Viele Aspekte des So zialismus sind zu diskutieren, und es ist unertraglich, daB es nicht ge schieht. Das Ergebnis dieser Diskussion ware namlich genau, daB wir uns einander anniiherten, statt uns in sinnlosen Kampfen aufzureiben. Die sozialistische Welt ist unendlich viel starker als die kapitalistische. Wenn China und die UdSSR Freunde waren, wurden die USA als impe rialistische Macht einfach mittels der friedlichen Koexistenz zerstort wer den. Jetzt ist das einzige, was uns wirklich alle verbindet, die Arbeit fur Vietnam. Aile arbeiten wir fur Vietnam, und Vietnam kiimpft fur uns aIle. Aber das ist kein wirklicher Intemationalismus. Es gibt die Unter- Ein unverge,Pliches Gespriich mit Peter Weiss 9 stUtzung der UdSSR und Chinas fUr Vietnam, aber es fehlt, daB sie ge meinsam den USA entgegentreten und ein Ultimatum stellen. Zusam menfassend wiirde ich sagen -wie ich es auch der Journalistin von Afton bladet gesagt habe -, daB meine Kritik an der Sowjetunion nie antisowjetisch ist. Es ist eine sozialistische Kritik, die auch innerhalb der UdSSR geiibt wird, wenn sie auch zur Zeit erstickt wird. So sehe ich also die Losung der derzeitigen Meinungsverschiedenheiten darin, kritische Diskussionen im Blick auf die Riickgewinnung des Intemationalismus herzustellen, ohne den die Bewegungen sich verbrauchen und sterben. Es gibt wichtige Impulse fUr den Widerstand - z.B. die "Black Panther" oder die Palastinenserbewegung -, aber es fehlt an starken Organisatio nen. Und wenn ich "Organisationen" sage, beziehe ich mich nicht nur auf neue revolutionare Formierungen, sondem auch auf die schon bestehen den Parteien, soweit es ihnen gelingt, sich selbst zu emeuem. Zur Zeit sind die sozialdemokratischen Parteien festgefahren in einer Politik zu groBer Kompromisse mit den biirgerlichen Parteien, und die kommuni stischen Parteien sind erstarrt infolge ihrer Abhangigkeit von der UdSSR. SASTRE: Meinst du, daB Schriftsteller sich als aktive Mitglieder in den revolutionaren Parteien einsetzen sollen? WEISS: Das Problem stellt sich in jedem Fall sehr unterschiedlich dar: Es hangt ab von den Landem, von den Charakteristiken jeder Partei, usw. Allgemein gesprochen, glaube ich, kann man innerhalb der Partei fUr ihre Veranderung im oben angesprocherien Sinn kampfen. 1m Grun de stellt sich eine praktische Frage: Bis wohin kann man innerhalb einer konkreten Partei kampfen, damit solche Veranderungen eintreten kon nen? Ich denke, daB die Kommunistische Partei in Schweden, urn iiberle ben zu konnen, im Blick auf das revolutionare Potential des Landes viel offenere Positionen einnehmen muB. Sie miissen sich endlich "moderni sieren", so daB man zu einer Einheit von Arbeitem, Studenten, Intellektu ellen ... gelangt, deren Gemeinsamkeit darin besteht, antiimperialistische Krafte zu sein. Ich glaube, daB dies das gleiche Problem in allen hochin dustrialisierten westlichen Landem ist; und ich denke, daB viele der Pro bleme in Italien und Frankreich ihren Ursprung im Dogmatismus der dortigen Parteien haben. SASTRE: Die jedoch ziemlich unterschiedlich sind; und ich wiirde das zugunsten der italienischen Partei sagen. 10 Alfonso Sastre WEISS: Was die Kommunistische Partei Italiens (PeI) betrifft, so bezie he ich mich konkret auf den AusschIuB der Gruppe "11 Manifiesto". Die Sache ist doch die: Wenn diese Kommunistischen Parteien sich zu offene ren Organisationen wandelten, konnten sie viel mehr Kriifte zusammen bringen, als sie jetzt haben: zum Beispiel einen groBen Tell der Studen tenbewegung. SASTRE: Wie siehst du die Situation der Studentenbewegung in Euro pa? Die kleinen Gruppen? WEISS: 1m allgemeinen sind diese Gruppen zu der Oberzeugung ge langt, daB ihr Kampf keinen Sinn hat, so klein wie sie sind. Sie wissen, daB sie eine politische Basis brauchen, und sie waren bereit, sich sogar in die Basis einer groBen Partei zu integrieren. Nur die Tatsache, daB in die sen groBen Parteien alles von oben kommt, stoBt sie zuriick. SASTRE: Wie ist genau die Situation in Westdeutschland? WEISS: In Westdeutschland existiert die studentische Opposition nicht mehr. Viele Gruppen haben sich in die Kommunistische Partei integriert, das heiBt, in die modeme DKP, der es gelang, die alte und verbotene KPD zu ersetzen. Andere, noch nicht integrierte Gruppen befinden sich in der Nahe dieser jungen Partei. Die endgiiltige Haltung dieser letzteren Gruppen -Integration ja oder nein in die groBe Partei -wird von der Hal tung der DKP gegeniiber Moskau und der Deutschen Demokratischen Republik abhangen. Auch ich frage mich in bezug auf die DKP: Wird sie eine Linie der starren Abhiingigkeit von der KPdSU verfolgen oder eine unabhiingige Linie, die sich aus den Lebensbedingungen Westdeutsch lands ableitet? SASTRE: Zeigt die Tatsache, daB so wenig Arbeiter in Schweden die schwedische KP wahlen, daB die groBe Mehrheit die Sozialdemokrati sche Partei als den wahren Vertreter der schwedischen Arbeiterklasse an sieht? WEISS: Es gibt so etwas wie eine traditionelle Zugehorigkeit der Arbei ter zur Sozialdemokratie in Schweden, obwohl sie mit dieser Partei unzu frieden sind. Die Abhiingigkeit der schwedischen Kommunistischen Par tei von der Sowjetunion hilft auch nicht sehr, und schIieBlich, was die jiingste Zeit angeht, so wiederhole ich dir etwas, was ich kiirzlich gesagt Ein unvergeflliches Gespriich mit Peter Weiss 11 habe: Der Einmarsch in die Tschechoslowakei hat viele Dinge kaputt ge macht und hat die Entwicklung des Sozialismus in Europa fUr lange Zeit aufgehalten. Ftir uns, die wir in dieser Region leben, bedeutete die Tsche choslowakei einen Versuch, den Sozialismus unseren Bedingungen anzu passen. Natiirlich gab es Leute, die versuchten, das aus reaktionaren Be weggriinden auszunutzen; aber es war doch eine Initiative voller Leben. Heutzutage ist es sehr schwierig, mit den Tschechen tiber Sozialismus zu sprechen. Daher kommt es, daB der Einmarsch, statt den Sozialismus zu unterstiitzen, die entgegengesetzte Wirkung gehabt und viele Menschen nach rechts getrieben hat, aber nach weit rechts! Ich glaube, es wird viel Zeit vergehen mtissen, ehe sich diese Wunden wieder schlieBen k6nnen. Der Sozialismus in der Tschechoslowakei war stark genug, urn die offene Diskussion auszuhalten, und der Einmarsch war ein Schlag gegen soleh eine freie Diskussion. SASTRE: In Anbetracht all dieser Schwierigkeiten und dieser (manch mal tragischen) Probleme, wie siehst du den "revolutionaren Horizont" in diesem Tell der Welt? WEISS: Potentiell gibt es eine groBe Kraft in der Linken, von der Linken der Sozialdemokratie bis zur auBersten Linken. Diese Kraft k6nnte durch die Bildung und die Aktion von Einheitsfronten ["enhets fronter" ist der von Weiss benutzte sehwedische Ausdruck, A.S.] in der Art der Unidad Popular Chilena [Chilenische Volkseinheit] erfolgreich gegen den Impe rialismus kampfen. In unserer Weltgegend laBt sieh eine Anderung der Gesellschaftsstruktur mittels einer gewalttatigen Revolution nur schwer denken. Hier k6nnte man das durch eine sozialistisehe Einheitsfront er reichen, mit Unterstiitzung der Mehrheit der Bev6lkerung. Dies ist meine Hoffnung, die sicherlich, verglichen mit den L6sungen der Politiker der groBen Lander, utopiseh oder romantisch erseheinen mag. Als Privatper son habe ich natiirlich den Vorteil, mit moralisehen Grundsatzen arbeiten zuk6nnen. SASTRE: K6nnten wir dariiber irgendwie zurn Thema deines letzten Werkes gelangen? WEISS: Ja, sicher, tiber die Utopien des revolutionaren Kiinstlers. Wir haben angefangen und tiber ein Theaterstiick, deinen Trotzki, ge sprochen, und jetzt reden wir schon lange tiber anderes, wirft URIZ ein.

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