DIPLOMARBEIT Titel der Diplomarbeit LehrerInnenkompetenz(en) – eine Frage der SchülerInnenperspektive? Ein Plädoyer für eine multiperspektivische Untersuchung der die Kompetenz von Lehrkräften konstituierenden Elemente am Beispiel von narrativen Interviews mit oberösterreichischen SchülerInnen der Sekundarstufe II. Verfasser Thomas Manfred Staudinger angestrebter akademischer Grad Magister der Philosophie (Mag. phil.) Wien, 2012 Studienkennzahl lt. Studienblatt: A 297 Studienrichtung lt. Studienblatt: Diplomstudium Pädagogik Betreuerin: Univ.-Prof. Mag. Dr. Ilse Schrittesser "Da es nun aber einmal Pflicht sei, die Schule zu besuchen, müsse man seine Kinder hinschicken, auch wenn man wisse, man schicke sie ins Verderben. Die Lehrer sind die Zugrunderichter, sagte mein Großvater. Sie lehren nur, wie der Mensch niedrig und gemein wird, ein verabscheuungswürdiges Scheusal. Er liebe es, wenn sein Enkel, anstatt in die Schule zu gehen, auf dem Bahnhof sich eine Bahnsteigkarte löse und mit dieser Bahnsteigkarte nach Rosenheim oder München oder Freilassing fahre. Das ist ihm förderlich, nicht die Schule, sagte er, und wie gemein viele Lehrer sind! Was ihnen zuhause von ihren Frauen unterdrückt wird, lassen sie in der Schule an den Kindern aus. Ich habe die Lehrer immer verabscheut, mit Recht, mir ist noch kein Lehrer begegnet, der sich nicht in der kürzesten Zeit als gemeiner und niedriger Charakter erwiesen hätte. Polizisten und Lehrer verbreiten einen üblen Geruch auf der Erdoberfläche. Aber wir können sie nicht abschaffen. Lehrer seien nichts anderes als Verzieher, Verstörer, Vernichter. Wir schicken unsere Kinder in die Schule, damit sie so widerwärtig werden wie die Erwachsenen, denen wir tagtäglich auf der Straße begegnen. Dem Abschaum." 19 (BERNHARD 2005 [1985], S. 52f; Hervorh. im Orig.; T.S.) Danksagung Es war nicht immer leicht. Wer und was es mir aber leichter machte, waren Menschen, die mich unterstützt haben und immer an mich glaubten. Daher möchte ich diese Arbeit zum Anlass nehmen, um mich bei all jenen zu bedanken, die mich bei dieser Arbeit sowie während der Zeit meines Studiums unterstützt haben. Ich danke meinen Eltern, Helga und Manfred Staudinger, sowie meinen Großeltern, Helga und Wilhelm Umlauf, die mich stets finanziell unterstützt haben und auf deren moralischen Rückhalt ich mich jederzeit verlassen konnte. Ohne diese große Hilfe wäre mein Studium nicht möglich gewesen. Großer Dank gebührt auch meinen beiden Schwestern Melanie und Mag.a Sabrina Staudinger für die liebevolle Unterstützung und den Zuspruch während der Anfertigung dieser Arbeit. Ich bedanke mich ebenfalls bei Frau Univ.-Prof. Mag.a Dr.in Ilse Schrittesser, die mich mit Ihren zahlreichen Tipps und wertvollen Anregungen geduldig unterstützt hat. Mein Dank gilt außerdem auch den InterviewpartnerInnen – ohne ihre Bereitschaft meinen Fragen Rede und Antwort zu stehen, wäre diese Arbeit nicht existent. Ein abschließendes Wort des Dankes möchte ich an meine Freundinnen und Freunde richten - sie bauten mich stets auf und sorgten für die erforderliche Abwechslung. In diesem Zusammenhang möchte ich mich insbesondere bei Frau Yaowarat Promsing bedanken. In den oft schwierigen Phasen der Erstellung dieser Arbeit hat sie mich mit ihren thailändischen Kochkünsten verwöhnt und überrascht. Ebenso ein herzliches Dankeschön an Mag. Christian Wegscheider, Mag. Siegfried Kröpfel und Kemal Han. Diese Herren sorgten für amüsante Abwechslungen während der an Amüsements mitunter kargen Zeit. Wien, September 2012 Thomas Staudinger I Kurzfassung Als in den 1970er Jahren der Kompetenzbegriff Eingang in die deutschsprachige erziehungswissenschaftliche Diskussion gefunden hat, war vermutlich noch nicht vorauszusehen, dass genau dieser einmal mit den Grundbegriffen der Pädagogik (Erziehung, Bildung, Sozialisation, etc.) ernsthaft konkurrieren würde. Spätestens seit der Durchführung international vergleichender Schulleistungsstudien erhielt der Kompetenzbegriff Hochkonjunktur, womit dieser für die einen zu einem Modewort und für die anderen zu einem inhaltsleeren Reizwort geworden war. Demzufolge erschlägt den dieser Thematik geneigtem Leser eine Fülle an Fachliteratur zur kontroversen Kompetenzdiskussion rund um SchülerInnen- und LehrerInnenkompetenz(en). Welchen Stellenwert hat/haben aber das LehrerInnenhandeln und die dazu erforderliche(n) LehrerInnenkompetenz(en) für den schulischen Bildungserfolg (oder: Kompetenzerwerb) von SchülerInnen und welche Kompetenzdimensionen könnten oder sollten von den LehrerInnen unter Berücksichtigung der qualitativen SchülerInnenperspektive und dem spezifischen Forschungsdesign dieser Arbeit nach Möglichkeit in der LehrerInnenbildung erreicht werden? Die hier vorliegende Arbeit geht diesen Fragen nach und referiert im Hinblick auf die erste Teilfrage (widersprüchliche) Ergebnisse internationaler empirischer Einzelstudien, Querschnittstudien, Längsschnittstudien und Meta-Analysen. Dabei wird erörtert, inwiefern das LehrerInnenhandeln und die dazu erforderlichen LehrerInnenkompetenz(en) »eine« Determinante für den differentiellen Bildungserfolg von SchülerInnen darstellen und ob bzw. inwieweit weitere Faktoren, die jeweils auf unterschiedlichen Analyseebenen (insb. auf Schulsystemebene und LehrerInnenebene) angesiedelt werden, dazu treten und (mit-)verantwortlich sind/sein können. Im Hinblick auf die zweite und weitaus komplexere Teilfrage werden zunächst die mit der LehrerInnen-Kompetenz-Forschung konkurrierenden Forschungsrichtungen, die jeweils denselben Forschungsgegenstand aufweisen – nämlich die Forschung zur guten Lehrperson –, ansatzweise dargestellt, um anschließend dem Epizentrum der LehrerInnen-Kompetenz-Forschung auf den Grund zu gehen, indem eine Untersuchung des Konstruktionshintergrunds von LehrerInnen-Kompetenz-Modellen erfolgt. Hier wird insb. jener Frage nachgegangen, wie die LehrerInnenkompetenz in der Forschung modelliert wird, welche empirisch-forschungs-methodologischen Möglichkeiten der II Kompetenzerfassung überwiegend Verwendung finden und wer eigentlich bestimmt, wer kompetent ist. Der kompetenzbegriffstheoretische Teil erkundet dann das sprach- sowie human- und sozialwissenschaftliche Konstrukt Kompetenz aus einer bildungswissenschaftlichen Perspektive. Zum einen soll hier der Kompetenzbegriff von einer Reihe verwandter und teilweise synonym verwendeter Begriffe (Qualifikation, Performanz und Standards) abgegrenzt werden und zum anderen wird der Versuch unternommen einige Schneisen in das unübersichtliche Dickicht der Kompetenz-Forschung insofern zu schlagen, als eine Analyse sprachlicher Ambiguitäten der Kompetenzdiskussion und die daran anschließende tabellarische Darstellung von LehrerInnen-Kompetenz-Definitionen den sehr heterogen verwendeten LehrerInnen-Kompetenzbegriff bzw. das breite Spektrum der in der Literatur verwendeten Kompetenzverständnisse verdeutlichen sollen. Die vorliegende empirische, qualitative Vorstudie setzt an den zuvor referierten Punkten an. Sie untersucht die (qualitative) SchülerInnenperspektive im Hinblick auf die LehrerInnenperformanz, um zu einer Schließung der Forschungslücke (Mangel an offenen Erhebungsmethoden, sowie die Einbeziehung der vernachlässigten SchülerInnenperspektive) beizutragen. Grundlage für die Untersuchung ist ein zu diesem Zweck entworfenes Modell, das das Kompetenzverständnis und die eingesetzte Analysemethode ins Zentrum dieser Arbeit rückt. In der hier konzipierten Studie werden dann mittels narrativer Interviews die Sichtweisen der befragten SchülerInnen (das sind vier oberösterreichische SchulsprecherInnen unterschiedlicher Schultypen der Sekundarstufe II) auf die von ihnen retrospektiv im Alltagsunterricht beobachtete, erlebte und beurteilte LehrerInnenperformanz erfasst. Auf dieser Grundlage wird dann versucht die zugrundeliegende LehrerInnenkompetenz themenanalytisch zu charakterisieren (»subjektive Theorie der Kompetenz«). Dieser Arbeit wird auch eine CD-ROM beigelegt. Auf ihr werden die vier transkribierten Interviews, die ausgewerteten Daten bzw. die in diesem Zusammenhang erstellten Grafiken und Tabellen, sowie alle verwendeten Online-Quellen und schließlich diese Arbeit selbst im Dateiformat PDF zur Verfügung gestellt. III Abstract When the term competence was first discussed in the German speaking pedagogical science debate in the 1970s, its contemporary dominance among the basic ideas of education was probably unpredicted. Ever since the implementation of international student assessment studies the term competence was used by some as a buzzword and by others as a meaningless shibboleth. Consequently, there is ample and controversial literature on the subject of teachers' and pupils' competences likewise. Main questions that arise are (1) to what extent and thus what significance the teaching performance as well as their underlying teachers' competence have on the educational success (or: competence acquisition) of their students and (2) what the students' perspectives on teacher competences are. These foci will be taken under consideration and dealt with in this thesis. This piece of work will also highlight these queries by mentioning often contradictory outcomes from several international individual studies, cross-sectional studies, longitudinal studies and meta-analyses. This way it will be outlined to what extent the student's educational success is influenced by the actual teaching performance as well as their underlying teachers' competence. It will be further discussed that the actual teaching performance operates as one factor of influence for differential educational success. The debate continues by looking whether or how far further factors of various levels of analyses can be hold responsible. After having briefly described competing research fields with the same interests (the good teacher), this thesis tries to dismantle the epicentre of the teacher-competence-research by analysing construction characteristics of teacher-competence-models. The questions of how teacher competence is modelled, which empirical research methods are used and who determines who is actually competent are looked at in particular. The theoretical section of this thesis looks at the various perspectives on the term competence in linguistics as well as human and social sciences. Not only to distinct between synonymously used terms (qualification, performance and standards) but also to try to underline linguistic ambiguities within the discussion of competence and hereby draw attention to the heterogeneously used term in the context of teacher competence. IV The empirical preliminary qualitative study investigates students' perspectives of four students (attending four different Austrian secondary school types) with regard to teaching performance. This study aimed at closing current gaps in research of teacher competence: (1) the lack of open survey methods and (2) the lack of taking students' perspectives into account. Foundation to this empirical preliminary qualitative study is a, for this purpose developed model, which highlights the understanding and the analysing method of the concept of competence. Through narrative interviews, this study tries to engage with the students' retrospective observations during regular classes and their resulting evaluated teaching performance criteria, which then serve as the basis of the thematic analyses of teaching competences. Attached you will find a CD-ROM, on which all transcripts, the evaluated data combined with graphs and tables, all used online material as well as this thesis in PDF format is provided.
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